Organisierte Ladendiebstaehle

Organisierte Ladendiebstähle: Wie verhält sich ein Profidieb?

Im ersten Teil zum Thema Ladendiebstahl habe ich darüber berichtet, was passiert, wenn Kunden und Mitarbeiter zu Dieben werden und wie Verkäufer das verhindern können. Dabei habe ich mich in dem Artikel auf die Gelegenheitsdiebe konzentriert.

Der zweite Teil zum Thema Ladendiebstahl im Einzelhandel befasst sich diesmal mit der Zunahme professioneller Ladendiebstähle, also den sogenannten Profis und Banden.

Wie erwähnt, gehen die Schäden aus Ladendiebstählen jährlich in den Milliardenbereich. Nicht nur die Händler tragen die Verluste, sondern auch wir Verbraucher zahlen mit, da die aus den Diebstählen entstehenden Kosten auf die späteren Preise draufgeschlagen werden. Darüber hinaus entsteht dem Staat ein Millionenverlust durch die fehlenden Einnahmen aus der Mehrwertsteuer.

Was unterscheidet nun die Profis von den ganz normalen Gelegenheitsdieben?

Ein Profi stiehlt vor allem

  • eine große Anzahl von Produkten,
  • konzentriert sich vor allem auf kleine und wertvolle Artikel,
  • und stiehlt im Auftrag oder über Bestellung.

Die Waren werden dann anschließend einem Hehler übergeben oder selbst verkauft.

Wird es den Profis zu einfach gemacht?

Immer längere Öffnungszeiten und Personaleinsparungen sind sicherlich Gründe für die steigende Anzahl der Ladendiebstähle durch Profis. Schließlich gibt es oft zu wenige Verkäufer, die noch ein Augenmerk auf potenzielle Diebe richten können oder sie sind nicht mehr konzentriert genug. Hinzu kommt, dass die Waren oft sehr frei zugänglich präsentiert werden und es den Dieben dadurch sehr einfach gemacht wird.

Mehr als 98 Prozent der Ladendiebstähle durch Profis bleiben derzeit nach Einschätzung von Experten unentdeckt.

Während die Zahl der einfachen Ladendiebstähle (also die der Gelegenheitsdiebe) laut Studien eher gleich bleibt, nehmen die schweren Ladendiebstähle durch Profis und organisierte Banden stark zu.

Folgende Verhaltensweisen sprechen vor allem für einen Profidieb:

  • Profis sind Speziallisten, die das Risiko erwischt zu werden in Kauf nehmen, aber bestrebt sind, es so niedrig wie möglich zu halten. Sie sichern sich besser ab als andere Tätertypen, da es für sie ein Job ist.
  • Profis gehen beim Absichern geschickter und routinierter vor – damit täuschen sie den flüchtigen und oberflächlichen, aber nicht den geübten Beobachter.
  • Profis fallen durch eine ungewöhnlich hohe Konzentration auf und zeigen ein hohes Selbstwertgefühl.
  • Profis vermeiden es, andere Menschen offen anzusehen. Selbst, wenn sie offensichtlich angesehen werden, erwidern sie den Blickkontakt nicht.
  • Profis sind meist modisch mit sportlicher Note gekleidet (erleichtert die Flucht).
  • Profis sind im Vergleich zu Gelegenheitsdieben nicht ortsgebunden.
  • Profis wirken übertrieben freundlich und überaus cool.

Die Polizei kommt an ihre Grenze der Belastbarkeit

Zur Entlastung der Beamten hat die Gewerkschaft der Polizei (NRW) vorgeschlagen, bei einfachen Ladendiebstählen auf aufwendige Ermittlungen zu verzichten und nur noch Bußgelder zu verhängen. Mit einem Ermittlungsverfahren sollen also nur noch organisierte Banden zu rechnen haben. Die GdP (NRW) sieht sich mit dieser Regelung als bundesweiter Vorreiter.

Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels fordert dagegen eine konsequente Bestrafung aller Ladendiebe.

Denn Ladendiebstahl ist kein Kavaliersdelikt!

Die beliebtesten Artikel, die von Profis geklaut werden, sind kleine und teure Waren wie:

  • Parfüm
  • Kosmetikartikel
  • Rasierklingen
  • Brillen
  • Smartphones
  • Schmuck
  • Spirituosen
  • Tabakwaren
  • Elektrowerkzeuge

Bei Bekleidung sind es vor allem:

  • hochwertige Marken
  • Lederjacken
  • teure Accessoires

Das heißt: Alles, was sich gut verkaufen lässt, wird am häufigsten geklaut.

Die deutschen Einzelhändler investieren jährlich knapp zwei Milliarden Euro in Diebstahlschutz durch teure Technik und den Einsatz von Ladendetektiven. Hingegen wird das Verkaufspersonal auf der Fläche immer weniger. Mehr Technik als Diebstahlprävention stehe immer weniger Verkaufspersonal auf der Fläche gegenüber, heißt es in einer Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI.

Meine Recherchen haben ergeben, dass Einzelhändler Ihre Inventurdifferenzen durchaus erfolgreich minimieren konnten. Und zwar, indem sie die Personaldecke erhöhen und gleichzeitig Ihre Mitarbeiter für das Thema Ladendiebstahl durch Schulungen sensibilisieren.

Dazu noch ein Ausschnitt aus einem Artikel der TZ zum Thema „Ladendiebstahl kostet Einzelhandel Milliarden“:

Als wichtigstes Mittel im Kampf gegen Diebe gilt aber die Schulung der Mitarbeiter. “An der Supermarkt-Kasse auf typische Verstecke achten, im Bekleidungsgeschäft die Kunden fragen, ob man ihnen helfen kann – solche Dinge sind oft schon sehr effektiv“, sagt Frank Horst, Leiter des Bereichs Inventurdifferenzen beim EHI. Auf die notwendige Auffrischung der Schulungen werde bei einigen Unternehmen allerdings aus Zeit- und Kostengründen verzichtet. “Da könnten manche noch mehr tun.“
(Quelle: www.tz.de, Zitat Frank Horst, Leiter des Bereichs Inventurdifferenzen beim EHI)

Nichts zu tun und anderen die Verantwortung zu überlassen, wäre sicherlich ein Schritt in die falsche Richtung. Langfristig ist beim Thema „Professioneller Ladendiebstahl“ auch die Politik gefragt.