Mitarbeiter Diebstahl

Wenn Mitarbeiter im Einzelhandel zu Dieben werden – Teil 1

Mitarbeiter, die zu Dieben werden. Auch diese Erfahrung musste ich in meiner aktiven Zeit als Führungskraft im Einzelhandel leider machen. Ehrlich gesagt wollte ich nie wirklich wahrhaben, dass meine eigenen Mitarbeiter klauen. Ich habe in meiner leitenden Position mehr Mitarbeiter wegen Diebstahls gekündigt als wegen schlechten Verhaltens oder aus anderen Gründen. Und jedes Mal habe ich danach gesagt: „Das hätte ich ihr/ihm nie zugetraut!“ Es waren meist sogar die Mitarbeiter, denen vom Unternehmen und auch von mir ein besonders hohes Vertrauen entgegengebracht wurde. Mitarbeiter wurden zu Dieben, die besonders viel Einsatz zeigten, ohne Widerspruch Überstunden leisteten und bei Kunden und Kollegen gleichermaßen geschätzt waren.

Bemerkt habe ich die Diebstähle meist durch Warenverluste, Kassenfehlbestände, Inventurdifferenzen und durch Hinweise anderer Mitarbeiter und Kunden.

Doch wie konnte das passieren? Was steckt dahinter, wenn die eigenen Mitarbeiter klauen? Was treibt einen Mitarbeiter dazu, dem eigenen Unternehmen Ware oder Geld zu entwenden?

Mitarbeiterdiebstal kann eine Form von Wirtschaftskriminalität sein

Etwa 23 Prozent der Inventurdifferenzen im Einzelhandel gehen nach Erhebungen des EHI Retail Institute auf Mitarbeiter zurück. Die durchschnittlichen Schadenssummen pro Fall können sehr viel höher als bei Kundendiebstählen sein. Insofern kann Mitarbeiterdiebstahl sogar eine Form der Wirtschaftskriminalität darstellen. Hierbei sind Warendiebstähle, Betrugs- und Unterschlagungsdelikte vor allem im Kassenbereich festzustellen.

Potenzielle Täter können sein:

  • Eigene Mitarbeiter
  • Lieferanten
  • Als Mitarbeiter getarnte Personen
  • Reinigungskräfte
  • Betriebsfremde Personen (Handwerker, Vertreter etc.)

Welche Gründe für Mitarbeiterdiebstahl es gibt

Es gibt viele Gründe dafür, dass Mitarbeiter klauen. Gerade die vier erstgenannten kamen sehr häufig vor.

  • (sich selbst genehmigte) Belohnung für erbrachte Arbeit/Leistung
  • Geltungssucht
  • Dazu gehören wollen
  • Mit anderen mithalten wollen
  • Lust am Kick
  • Jemanden bewusst schädigen
  • Kostspielige Lebensführung
  • Soziale Not
  • Angst (z.B. wenn jemand von Freunden erpresst wird)

Doch machen wir es im Einzelhandel unseren Mitarbeitern nicht oft zu leicht? Vertrauen wir ihnen zu sehr und kontrollieren wir sie zu wenig? Haben unsere Mitarbeiter einfach zu viele Freiheiten?

Diese Fragen lassen sich sowohl mit Ja als auch mit Nein beantworten.

In erster Linie gehen wir davon aus, dass wir es mit ehrlichen und vertrauenswürdigen Mitarbeitern zu tun haben, denen wir nichts Böses zutrauen und schon gar nicht einen Diebstahl unterstellen wollen. Und das ist auch gut so! Grundsätzlich sollten wir immer unseren Mitarbeitern gegenüber positiv eingestellt sein und ihnen vertrauen. Doch wir kennen alle den Spruch: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“. Im Fall von Ladendiebstahl ist Kontrolle nicht nur besser, sondern auch ratsam.

Grundsätzlich unterscheiden wir bei Diebstahl zwischen folgenden Tätergruppen:

  • Gelegenheitsdieben
  • Profis
  • Soziale Randgruppen

Die Gelegenheitsdiebe machen nach wie vor den höchsten Anteil aller Diebstähle aus. Mitarbeiterdiebstahl gehört zu der Tätergruppe der Gelegenheitsdiebe.

Das bedeutet, dass wir einiges tun können, um Mitarbeiterdiebstahl langfristig zu verhindern, indem wir einfach nicht die Gelegenheit dazu bieten.

Zu 100 Prozent lässt sich Mitarbeiterdiebstahl allerdings nicht verhindern. Dennoch haben wir mit gezielten Maßnahmen die Möglichkeit, die Diebstahlsquote deutlich zu reduzieren.

Hier sind ein paar kostengünstige Tipps, die Sie im Alltag einbauen können (sicherlich gibt es noch einige mehr):

  • Indizien/Informationen sammeln (aber Mitarbeiter nur bei stichfesten Beweisen konfrontieren)
  • Auf Einstellungen an der Kasse achten (Gutschrift, Nullbon, Rückerstattung etc.)
  • Auf Abweichungen an der Kasse achten (unangekündigte Kassenprüfungen vornehmen)
  • Wenn möglich: Videoaufzeichnungen aufnehmen (vorher genau über die rechtlichen Grundlagen informieren)
  • Nach Kündigungen die Sicherheitsvorkehrungen ändern
  • Durchsichtige Müllbeutel einführen
  • Tote Winkel im Geschäft prüfen

Es ist zudem erwiesen, dass Mitarbeiter in Unternehmen deutlich weniger klauen, wenn diese eine sehr gute Beziehung zu ihrem Vorgesetzten haben. Darüber hinaus sind kleine Aufmerksamkeiten (Werbegeschenke, Mitarbeiterausflüge etc.) ebenfalls eine gute Methode, um Mitarbeiterdiebstahl zu verhindern.

Im nächsten Blogartikel (Teil 2) gehe ich auf die rechtlichen Grundlagen ein.