Jetzt handeln! Den Online-Handel vom Feind zum Freund machen / Weniger jammern, mehr machen

Die Welt wird digital und mit der fortschreitenden Digitalisierung wandert auch der Handel mehr und mehr ins Netz. Doch was kann der stationäre Einzelhandel tun, um sich neben dem Onlinehandel zu behaupten und die derzeitigen Entwicklungen vielleicht sogar für sich zu nutzen?

Ja, der digitale Handel bringt so einiges an Vorteilen für den Käufer mit sich: bequem vom Sofa aus shoppen, nahezu unbegrenzte Produktauswahl aus aller Welt und oft auch noch einen Preisvorteil. Dieser Trend lässt den stationären Einzelhandel natürlich zittern und wirft die Frage auf “Wie geht es nun mit uns weiter?”.
Um diese Frage zu beantworten, stellt sich zunächst einmal die Gegenfrage: “Ist der Onlinehandel denn tatsächlich nur böse?”. Nein, zum Gegner wird er nur dann, wenn man ihn als solchen betrachtet, anstatt ihn für sich zu nutzen. Denn der stationäre Einzelhandel bietet noch immer zahlreiche Vorteile, die der Onlinehandel nicht hat, wie individuelle Beratung und das direkte An- und Ausprobieren von Waren. Und mit diesen Vorteilen kann auch im Netz gepunktet werden. 64% der deutschen
Konsumenten informieren sich online, bevor sie im Laden kaufen. Informieren, nicht kaufen. Denn die meisten Käufer sind keine reinen Onlinekäufer: Sie suchen zwar vorher im Internet nach Angebot, Größe und Verfügbarkeit der Produkte, gehen jedoch auch oft noch in den Laden, um diese zu erwerben.
Diese Onlinerecherche der Nutzer kann also auch ein Vorteil für den Einzelhandel sein.

Doch wie kann diese Chance genutzt werden?
Dafür muss der stationäre Einzelhandel dringend UMDENKEN. Die Online-Sichtbarkeit eines Unternehmens gewinnt zunehmend an Bedeutung und wird die Zukunft des Handels mitbestimmen. Die Online-Käufe steigen stetig und deshalb ist es wichtig, jetzt auf den Zug aufzuspringen – je früher, desto besser. Für den stationären Einzelhandel bieten sich dabei verschiedenste Optionen, im Internet Präsenz zu zeigen und dort gegebenenfalls sogar
Umsätze zu generieren:

Multichanneling durch Nutzung von Online-Shops…
beim Multichannel-Vertrieb werden on- und offline Absatzsysteme parallel genutzt. Idealerweise werden diese auch noch funktional miteinander vernetzt und begünstigen sich so gegenseitig. Diese Möglichkeit ist besonders für mittelständische bis große Unternehmen interessant.

Multichanneling durch Nutzung von Online-Marktplätzen…
durch den Vertrieb über eine große Verkaufsplattform bietet sich die Möglichkeit einer sehr hohen Reichweite, die mit einem eigenen Online-Shop in diesem Ausmaß nur schwer zu erreichen ist. Die Variante der Online-Marktplätze ist gerade für kleinere Unternehmen sinnvoll, weil der Arbeitsaufwand im Vergleich zum eigenen Shop im Internet geringer ausfällt.

Sichtbarkeit im Netz…
auch ohne den tatsächlichen Verkauf im Netz ist eine Präsenz im Internet wichtig. Diese kann beispielsweise durch Social Media, eigene Websites oder auch
Online-Werbeanzeigen erreicht werden. Gerade Netzwerke wie Instagram oder Facebook gewinnen zunehmend an Popularität als Unternehmensplattformen.

Das Internet bietet dem stationären Einzelhandel also sehr viele Möglichkeiten, um die eigene Markenposition zu stärken. Wichtig ist dabei, ein Zusammenspiel zu entwickeln zwischen off- und online Kommunikation und Vertrieb. Die Betriebswege sollen sich ergänzen, beispielsweise indem online auf die Vorteile des Kaufs im Laden vor Ort hingewiesen wird. Dies können coole Aktionen wie eine Stylingberatung im Fashion Store oder professionelle Lauftrainings im Sportgeschäft sein. Als Gegenspiel kann beim Kauf im Laden auf die Onlinepräsenz des Unternehmens hingewiesen werden.

Auch beim Thema Warenumtausch und Bestellung lassen sich Laden und Internetauftritt gut koppeln, indem die Waren online bestellt und in den Laden geliefern werden können, wo der Käufer sie ausprobieren kann. Wenn der Artikel nicht gefällt, kann der Kunde ihn ganz einfach sofort zurück geben und spart sich die Rücksendung über den Postweg. Shopping in der Stadt kann so sogar bequemer sein als online.

Fazit

Was bringt also das Multichanneling?

  • Abdeckung eines größeren Marktes durch die Mischung aus Ladenkäufern und Onlinekäufern (Kundengewinnung)
  • Breitere Serviceleistungen für den Kunden (Kundenzufriedenheit und Kundenbindung)
  • Läuft ein Vertriebsweg mal “schlechter”, kann der andere den Umsatzrückgang ausgleichen (gleichbleibendes Umsatzniveau)

Die Online-Sichtbarkeit stärkt außerdem das Image, die Bekanntheit und die Reichweite eines Unternehmens. Die Kunden werden auf mehreren Wegen erreicht, wodurch eine intensivere Beziehung erreicht wird. Somit ist der Onlinehandel nicht nur der böse Gegner, sondern bei richtiger Anwendung auch ein unterstützender Freund, der die Kunden aus dem Netz in die Läden ziehen kann. Denn eines wird der Onlinehandel nie können: ein persönliches und emotionales Einkaufserlebnis bieten.

Deshalb heißt es jetzt für den stationären Einzelhandel: Weniger jammern, mehr machen!